Landwirtschaft

70 Jahre Bayerische Bauernschulen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vor 70 Jahren wurde im Kloster Ottobeuren die Bayerische Bauernschule als erste Landvolkshochschule Süddeutschlands gegründet. Der Bayerische Bauernverband legte 1948 damit den Grundstein für eine zukunftsorientierte und vorausschauende Bildungsarbeit.

Aus dem Auftrag der Gründerväter, „Menschen für die Landwirtschaft zu bilden, als Bauern, als Bürger, als Demokraten“, resultierte der „Herrschinger Grundkurs“ – ein mehrmonatiges Intensiv-Training für junge Erwachsene aus Landwirtschaft und den ländlichen Räumen. Persönlichkeitsentwicklung, Horizonterweiterung, politische Bildung waren und sind nur einige der Inhalte, die getreu dem Motto „Leben und Lernen unter einem Dach“ die Kurse prägen.

Unter den „Grundkurslern“ waren viele hochkarätige Persönlichkeiten. Im ersten Kurs zum Beispiel der langjährige Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Gustav Sühler, der es sich nicht nehmen ließ, während seiner Amtszeit bei jeder Abschlussfeier des Grundkurses den jungen Erwachsenen einprägsame Worte mit auf den Weg zu geben oder 1969 Gerd Sonnleitner, Ehrenpräsident des Bayerischen und Deutschen Bauernverbandes. Auch der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle erinnerte sich gerne an seine „Herrschinger Zeit“ zurück.

Von Ottobeuren nach Herrsching

Den Anfang machte 1948 zwar die Bauernschule im Kloster Ottobeuren, aber schon knapp zwei Jahre später zogen die Bäuerinnen nach. Ihre erste Schule war am Hartschimmelhof in Pähl am Ammersee. Damit bereiteten sie quasi den Weg für die jungen Männer, die ihnen 1951 nach Herrsching folgten. Notwendig war der Umzug aufgrund beengter Platzverhältnisse. Optimal auch die bessere Verkehrsanbindung. Schon damals war man in 50 Minuten in der Landeshauptstadt. 1957 wurde die Bäuerinnenschule am heutigen Standort in der Rieder Straße gebaut. Nach deren Erweiterung konnten beide Einrichtungen im Jahr 1976 zusammengelegt werden. Die Bildungsstätte des Bayerischen Bauernverbandes in ihrer jetzigen Gebäudeform war entstanden. Längst gab es nicht mehr nur in der Winterzeit angebotene Grundkurse. Ein eigenes Seminarprogramm war entwickelt und nach und nach ausgebaut worden. Heute bietet das Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching fast 700 Veranstaltungen pro Jahr, davon über 70 Seminare in eigener pädagogischer Verantwortung.

Die Welt zu Gast in Herrsching

„70 Jahre Bauernschulen heißt aber auch 70 Jahre Förderung gesellschaftlichen, ehrenamtlichen, unternehmerischen Engagements“, sagt Gunther Strobl, der Leiter des Hauses der bayerischen Landwirtschaft Herrsching. „Seit mehr als 50 Jahren ist die Welt zu Gast in Herrsching. Das Internationale Seminar für Führungskräfte der Landjugendarbeit entstand 1962, um den gegenseitigen Erfahrungs- und Gedankenaustausch zu fördern und findet im zweijährigen Turnus statt. Führungskräfte und Multiplikatoren aus aller Welt bekommen hier vielfältige Unterstützung und Anregungen für eine Weiterentwicklung und Stärkung der Landjugendarbeit und damit der ländlichen Räume in ihren Ländern.“ Über 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 154 Nationen nutzten bisher die Chance für Begegnung und Austausch mit großem und nachhaltigem Erfolg. Das Motto des Internationalen Seminars 2017 bringt es auf den Punkt: „Herrsching wirkt!“

Impulse für landwirtschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer

Auch von Anfang an dabei waren die Herrschinger, als vor 30 Jahren erstmals die Bauern- und Unternehmerschulungen, die sogenannten „bus Unternehmertrainings“, stattfanden – für mehr als 15 000 Landwirte in ganz Deutschland bis heute eine der wirkungsvollsten Weiterbildungen. Die neun Module umfassen Führungsthemen, Veränderungsmanagement, landwirtschaftliche und betriebliche Imagearbeit.
„Über die ganzen Jahre hinweg ist die grundsätzliche Ausrichtung des Hauses als Landvolkshochschule gleich geblieben, der vielzitierte offene ‚Herrschinger Geist‘ nach wie vor spürbar und das Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching ein Ort an dem ‚Bildung plus Begegnung‘ gelebt wird“, betont Gunther Strobl. „Damals wie heute ging und geht es um eine umfassende Persönlichkeitsbildung von Menschen in der Landwirtschaft: selbstbewusst und selbstbestimmt, freiheitlich und sozial verantwortlich, wert- und gemeinschaftsorientiert.“

Text und Foto: Bayerischer Bauernverband

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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