Leitartikel

64. Traditionelle Herbstjagd auf Herrenchiemsee – Bericht

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Frisch am Morgen und königlich weiß-blau am Nachmittag – so war das Wetter bei der 64. Traditionellen Herbstjagd auf Herrenchiemsee, zu der Esther Höhn und Josef Ettenhuber als Jagdherrschaft, Toni Wiedemann als Präsident des Bayerischen Schleppjagdvereins von Bayern (SVB e.V.) sowie Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern als Schirmherr des SVB eingeladen hatten. Zum zweiten Male Schirmherr der Veranstaltung war Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger.

„Ohne Toni Wiedemann, Eurem Präsidenten würde es diese Herrenchiemsee-Tradition und den Verein so nicht geben, er hat Akzente in den letzten Jahrzehnten gesetzt wenn es um Veranstaltungen mit Meute und Pferden geht“ – so begann Minister Aiwanger seine Begrüßung und er fügte hinzu: „Im Vorjahr hatten wir wegen Corona keine Zuschauer, heuer sind wir noch nicht ganz in den früheren hohen Besucherzahlen, aber wenn ich diese Uniformen, diese sauber herausgeputzten Pferde, die wartende Hundemeute und diese herrliche Insel-Landschaft sehe, dann schlägt mein Heimatherz höher. Mit Ihrer Traditionspflege, mit Euren Züchtungen sowie mit Eurem persönlichen, finanziellen und ehrenamtlichen Einsatz können wir uns international sehen lassen“. Präsident Toni Wiedemann vom über 450 Mitglieder starken SVB freute sich, dass die 32. Jagd, die früher eine Staatsjagd unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß war, mit Meute wieder so gut von der Jagdherrschaft vorbereitet wurde und fügte hinzu: „Unser Vereinsauftrag ist es, Tradition, Brauchtum und Kultur zu erhalten, Veranstaltungen in der bayerischen Schlösserlandschaft durchzuführen und dem Tierwohl und dem Tierschutz gerecht zu werden. Dankbar sind wir dem Freistaat und der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung für deren Unterstützung, um dessen Fortsetzung wir als Ehrenamtliche ganz herzlich bitten“. Zum fünften Male waren Josef Ettenhuber und Esther Höhn als Jagdherrschaft für das Gelingen des Jagdtages auf der 240 Hektar großen Herreninsel verantwortlich. Ehe es in zwei Feldern mit den rund 35 Jagdhunden und Pferden über die Insel und über 24 Hindernisse ging, spendete an der ehemaligen Pfarrkirche St. Maria neben dem Alten Schloss Priester, Arzt und Psychotherapeuth Dr. Lothar Katz aus Seeon den Segen für Menschen und Tiere mit den Worten: „Der Segen ist nicht nur eine Geste oder ein Ritual, er zeigt uns die Wirklichkeit Gottes, dass er mitten unter uns ist“. Alsdann gab es von der Schlosswirtschafts-Familie Löhmann den traditionellen Reitertrunk und das Signal zum Aufbruch. Für die Jagdbläserweisen und weiteren Signale an diesem Tag sorgten die Chiemgauer Jagdhornbläser  „Bien aller de Baviere“ und die Bayerischen Jungwölfe „Les Louvarts de Baviere“. Dem Abritt am Alten Schloss folgten ein Stopp und Aufgesessen in der Buchenwaldwiese sowie am Neuen Schloss bei traumhaftem Wetter das Curée und Halali mit Bruch- und Jagdknopfverteilung. Ehe es am Abend mit Fähre und Schiff wieder auf das Festland zurückging, trafen sich Reiter und Gäste in der Schlosswirtschaft zum geselligen Beisammensein. Mit dabei beim ganztägigen Jagderlebnis waren auch Insel-Bürgermeister Armin Krämmer und Vorstand Konstantin Buchner von der Schloss- und Seenverwaltung Herrenchiemsee.

Foto: Hötzelsperger – Eindrücke von der Herbstjagd auf Herrenchiemsee  –

  • Von links vor dem Abritt: Andrea Wittmann aus Seeon, Bürgermeister Armin Krämmer, Präsident Toni Wiedemann, Ester Höhne und Josef Ettenhuber von der Jagdherrschaft und Pfarrer Dr. Lothar Katz.
  • Präsident Toni Wiedemann mit den Chiemgauer Jagdhornbläsern und den „Jungen Wölfen“
  • Weitere Impressionen

Weitere Informationen: www.schleppjagd.de

Präsident Toni Wiedemann

Vor 31 Jahren war es der heute 71jährige Toni Wiedemann, der die traditionelle Staats- und Herbstjagd auf Herrenchiemsee erstmals mit Meute und Jagdhunden organisierte. Insgesamt 70 Meute-Hunde hat der Schleppjagdverband. Deren Training und Unterhalt auf dem eigenen Vereinsgelände und mit eigenem Personal kostet dem Verein monatlich rund 10.000 Euro. Um die Betriebskosten zu stemmen, ist der Verein auf aktive und fördernde Mitgliedschaften, auf Spenden sowie auf Inserenten beim jährlichen Jagdkalender angewiesen. „Bei derzeit rund 450 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 150 Euro kommen wir dank stetig guter Spendenbereitschaften gut um die Runden zumal unsere Vereinsleute alle Leistungen ehrenamtlich erbringen“ – so Toni Wiedemann, der Initiator war als am 15. August 1986 im Königlich Bayerischen Jagdgasthaus Aumeister im Englischen Garten mit 24 Mitgliedern und mit SKH Prinz Ludwig von Bayern der Schleppjagdverein von Bayern gegründet wurde. Vor sechs Jahren verunglückte der Versicherungs-Kaufmann Toni Wiedemann bei der Jagd auf Herrenchiemsee schwer, seither verfolgt er das Vereins- und Veranstaltungsgeschehen im Rollstuhl.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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