Tourismus

50 Jahre Wendelstein-Seilbahn

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am 20. Februar 1970, also vor genau 50 Jahren, wurde die Wendelstein-Seilbahn in Bayrischzell im Beisein zahlreicher Ehrengäste feierlich dem Verkehr übergeben. Unter Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird das runde Jubiläum am Wendelstein im Mai 2020 mit einer Festwoche gewürdigt.

Seilbahn sollte Zahnradbahn ersetzen

Vom Inntal aus gelangen Bergfreunde schon seit mehr als 100 Jahren auf den Wendelstein, und zwar per Zahnradbahn in Brannenburg. In den 1960er Jahren erlebte der Tourismus rund um den Wendelstein eine regelrechte Blütezeit. Besonders die zunehmende Gästezahl im Leitzachtal bewog die Bayrischzeller dazu, den Wendelstein von der Westseite her ebenfalls zu erschließen. Anfang des Jahres 1968 verkaufte das Unternehmen Steinbeis sämtliche Geschäftsanteile der Wendelsteinbahn an die Bayerische Elektrizitätswerke AG. Daraufhin befassten sich die Verantwortlichen ursprünglich mit Plänen, die im Unterhalt deutlich teurere Zahnradbahn durch eine moderne Großkabinen-Seilbahn zu ersetzen. Zusammen mit der Gemeinde Bayrischzell, die das Projekt bei dem Genehmigungsverfahren tatkräftig unterstützte und das Grundstück für den Parkplatz zur Verfügung stellte, begann man im Herbst 1968 mit den Bauarbeiten. Im Zuge dessen entstand damals auch die Skiabfahrt West am Wendelstein mit einer Länge von etwa 5 Kilometern.

Seilbahntrasse mit nur einer Stütze

Nachdem eine Trassenführung direkt von Bayrischzell aus Gründen des Landschaftsschutzes abgelehnt worden war, fand man schließlich eine günstige Lösung mit einer Talstation im Ortsteil Osterhofen. Die Linienführung von Osterhofen auf den Wendelstein erforderte nur eine einzige 75 Meter hohe Stütze. Die Bauzeit für die knapp drei Kilometer lange Großkabinen-Pendelbahn, welche fast 1.000 Höhenmeter überwindet, war mit nur 17 Monaten erstaunlich gering. Die Gesamtbaukosten  beliefen sich auf 4,3 Millionen D-Mark. Da am Wendelstein mit dem Wendelsteinhaus inklusive Strom- und Wasserversorgung bereits eine entsprechende Infrastruktur vorhanden war sind die Kosten im Vergleich zu anderen ähnlichen Bahnen als eher niedrig einzustufen.

Einmaliges Rundfahrangebot

Damalige Befürchtungen, dass sich die in die Jahre gekommene Zahnradbahn nach dem Seilbahnbau nicht länger halten könne, bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht. Ganz im Gegenteil eröffnete sich mit dem Bau der zusätzlichen Seilbahn auf den Wendelstein ein touristisch interessantes Rundfahrtangebot: Bergfahrt mit der Zahnradbahn in Brannenburg, Talfahrt mit der Seilbahn nach Bayrischzell oder umgekehrt und per Wendelstein-Ringlinien-Bus zurück zum Ausgangspunkt.

2011: Neuer Antrieb für die Wendelstein-Seilbahn

Die Beschaffung von Ersatzteilen stellt nicht nur bei der deutlich älteren Wendelstein-Zahnradbahn ein Problem dar, sondern auch bei ihrer jüngeren Schwester, der Seilbahn. 2011 wurden die gesamten Antriebsanlagen mit modernster Technik ausgestattet. Dabei wurden der Antriebsmotor AEG Typ G 244/47 mit 299 PS sowie der Ward Leonardsatz mit Gleichstromgenerator durch einen Drehstrom Asyncronmotor mit 315 kW der Firma Siemens ersetzt und die gesamte Stromversorgung der Antriebseinheit neu verlegt. Die bestehende Betriebsbremse erneuerte man durch eine hydraulische, lastabhängig geregelte Scheibenbremse der Firma Steuerer, angesteuert von einem Bremsaggregat der Firma Rexroth. Den Notantrieb mit seinem benzinbetriebenen Porsche Industriemotor tauschte man durch einen Drehstrommotor mit 75 kW aus. Eine Siemens Simatic SPS Anlage ersetzt seither die AEG Schützsteuerung. Aufwändig gestaltete sich außerdem die Errichtung eines neuen Steuerstands mit Steuerpult, Aufenthaltsraum und Kassenbereich auf dem Bahnsteig der Bergstation. Die gesamte Bergstation wurde im Zuge dessen unter den vorgeschriebenen Brandschutzauflagen mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet.

Festwoche im Mai 2020

„Schon seit etlichen Monaten beschäftigen wir uns in einem extra gebildeten Festausschuss mit der Planung und Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Seilbahn“, verrät Manfred Geiss, Betriebsleiter der Wendelstein-Seilbahn. Neben einem familienfreundlichen Tag der offenen Tür mit Technik-Führungen, Jubiläumsfahrpreisen sowie Veranstaltungen von örtlichen Vereinen mit Festzelt, Bier und Blasmusik soll es auch eine Foto-Ausstellung inklusive Minikino mit Original-Filmaufnahmen aus der Bauphase der Wendelstein-Seilbahn geben. Landtagspräsidentin Ilse Aigner hat die Schirmherrschaft für die Jubiläumsfeierlichkeiten der Wendelstein-Seilbahn übernommen. Eine Veranstaltungs-/Terminübersicht finden Interessierte unter https://www.wendelsteinbahn.de/50-jahre-wendelstein-seilbahn

Foto: Archiv der Wendelsteinbahn GmbH; Der damalige Bayrischzeller Bürgermeister Alois Kastl visualisiert die Seilbahntrasse. Der „Zellerbauer“, Grundstückseigentümer scheint noch etwas skeptisch.

 Foto: M. Bogner; Logistische Herausforderung: Die Baustelle Bergstation-Seilbahn 1969

 Foto: M. Bogner; Hinunterziehen des Hilfsseiles zum Aufziehen des Tragseiles im Herbst 1969. Rund 20 junge Männer aus Bayrischzell und Umgebung waren im Einsatz. Der Lohn betrug 40 D-Mark.

 Foto: M. Bogner; Bau der 75 m hohen Seilbahnstütze. Wegen der Hangneigung liegen die Einzelfundamente verschieden hoch.

 Foto: M. Freyermuth; Das Team der Wendelstein-Seilbahn freut sich auf sein 50jähriges Betriebsjubiläum.

 Foto: C. Hinz; Die Wendelstein-Seilbahn bringt Bergfreunde seit 1970 auf einen der schönsten Aussichtsgipfel Bayerns

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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