Kultur

30 Jahre Förderverein Bairische Sprache

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekt e.V. (FBSD) kann auf 30 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Gegründet wurde die Gemeinschaft von 29 Bayern im Juli 1989. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte im November darauf. Der Verein mit zunächst gut 60 Mitgliedern, davon etliche Sprachwissenschaftler, Autoren, Politiker und Kunstschaffende, begann sich zu formieren und trat forthin in der Öffentlichkeit auf.

„Bevor der Zwetschgendatschi noch zur Pflaumenrolle wird. Professor schlägt Alarm und fordert: Rettet unsere bairische Sprache!“  Mit dieser Schlagzeile in den Medien war 1984 die Diskussion um den Fortbestand der Bairischen Sprache entbrannt. Die Reaktionen und Meinungen waren so unterschiedlich wie die Zusammensetzung der bayerischen Bevölkerung selbst. Von einer gefährlichen „Preußifizierung der Sprache“ warnten die einen, von einer „weit übertriebenen Hysterie“ sprachen die anderen.

Die Sorge um den Fortbestand der bairischen Sprache hat überwogen. Und das zu Recht, wie sich im Laufe der Vereinsgeschichte noch sehr deutlich herausstellen sollte. Den Startschuss für die Vereinsgründung gab die damalige Leiterin des Gesundheitsamtes Traunstein, Frau Dr. Viktoria Wittmann. Die damals 80jährige Ärztin aus dem Chiemgau hielt 1988 den Aufsatz  „Gedanken über die bairische Sprache“, und legte damit sozusagen die Grundlage für ihre Idee, einen Verein zum Schutz des bairischen Dialekts zu gründen. Er sollte ihrem Willen entsprechend zu einer „Volksbewegung“ der noch bairisch sprechenden Menschen werden.

Sebastian Stöckl, ebenfalls aus dem Chiemgau, griff die Idee der Medizinerin auf und machte sich an die Gründung des Vereins.  Die Gründungsversammlung fand am 10. Juli 1989 auf dem Hochberg bei Traunstein statt. Gründungsbeirat und Schriftsteller Wolfgang Johannes Bekh hielt das Gründungsreferat „Gutes Bairisch ist kein schlechtes Deutsch“. Von ihm stammt auch das Buch „Richtiges Bayerisch, eine Streitschrift gegen Sprachverderber.“ Der Verein erhielt den Namen „Förderverein Bayerische Sprache und Dialekte“. Das „y“ wurde später durch ein „i“ ersetzt. Mitglied Nr. 1 war Dr. Viktoria Wittmann, Mitglied Nr. 2 Sebastian Stöckl.

Heute hat der FBSD über 3.200 Mitglieder, die meisten davon in regional gegliederten Landschaftsverbänden organisiert. Die Vorstandschaft des Gesamtvereins, der auch die 1. Vorsitzenden der Landschaftsverbände und neun Beiräte aus dem öffentlichen Leben angehören, lenkt die Geschicke des Vereins. Über neues aus Wissenschaft, Medien, Alltag und Unterhaltung zur Bairischen Sprache informieren unterschiedliche Autoren, der Redaktionsausschuss sowie der Vorstand in der Mitgliederzeitschrift „Rundbriaf“ und über die Homepage des Vereins.  –  www.fbsd.de

Bekannt in der Öffentlichkeit als kompetenter Ansprechpartner rund um die bairische Sprache ist der FBSD auch durch seine vielen Veranstaltungen und Beteiligungen, wie etwa auf der „Oidn Wiesn“ und dem Stadtgründungsfest in München, beim KULTurig in Ingolstadt, dem Altbairischen Mundarttag in der Furthmühle, dem Stromlos-Festival in Altomünster durch regelmäßige Dialekt-Preisverleihungen im Rupertiwinkel und im Erdinger Land und durch Dialektforen bei denen Sprachwissenschaftler und sprachinteressierte Laien zusammengebracht werden.

Bekannt ist der FBSD vor allem aber auch durch das erfolgreiche Sprachspiel „Woaßt as?“ und regelmäßige Veröffentlichungen, Kommentare und Forderungen zum Erhalt der Bairischen Sprache in den Medien. Zudem unterstützen Mitglieder des FBSD Kindergärten und Schulen bei der Bairisch-Förderung und beantworten Fragen von Studenten und Interessierten aus dem In- und Ausland.

Auch mit Sprachvereinen sowie  themenverwandten Vereinen und Verbänden in Bayern und weit darüber hinaus, mit Politikern und Ministern, sowie mit Vertretern der Heimatpflege und des Brauchtums, mit Medien, Künstlern und Sprachwissenschaftlern pflegt der FBSD einen intensiven Kontakt bzw. Meinungsaustausch.

Somit wird am 23. November in Aying bei München nicht nur das 30-jährige Gründungsjubiläum würdig gefeiert werden, sondern auch die vielen Erfolge des Vereins und seiner Mitglieder, vor allem aber die positive Entwicklung des Vereins zu einem ernst zu nehmenden Botschafter und Förderer der Bairischen Sprache. Neben einer Brauereibesichtigung gibt es wissenschaftlichen Vorträge und einen Festabend mit einem Jubiläumsvortrag des weithin bekannten Prof Dr. Anthony Rowley. Vereinseigene Künstler aus den verschiedensten Regionen Bayerns werden  im Anschluss ihre Sprache bzw. ihre Mundart in Wort und Musik zum Klingen bringen.

Bericht und Bilder: FBSD/Trautmann/Schober

Seit 2010 ist der FBSD mit einem Stand und einer tatkräftigen Mannschaft auf der „Oidn Wiesn“ vertreten. © Albert Brem

Personen, die sich besonders für den Dialekt einsetzen werden seit vielen Jahren vom FBSD ausgezeichnet  –  hier der Mundwerkpreis des FBSD-Landschafts-verbandes „Zwischen Isar und Inn“. © Manfred Trautmann

Aber auch um eine intensive Pflege der Vereinsmitglieder bemüht sich der FBSD  –  hier bei einer Jahreshauptversammlung der FBSD-Landschaftsverbandes „Rupertiwinkel“. © Kilian Schober

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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