Leitartikel

Chiemgau-Hilfe für Ternopil – ein Zwischenbericht

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Helferkreis  für die Diözese Ternopil – Ukraine e.V. mit  Sitz auf Frauenchiemsee hat durch seine Vorsitzende Kathi Schmid, Osterkam 17, 83101 Rohrdorf, e-mail: Schmid-Rohrdorf@t-online.de eine Bilanz der bisherigen Hilfe seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine gezogen.

Den 24. Februar 2022 wird der Helferkreis für die Diözese nicht mehr vergessen! Nur kurze Zeit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar setzten sich die Verantwortlichen des Helferkreises für die Diözese Ternopil/Ukraine e.V. zusammen. Schnellstmögliche Unterstützung war nun gefragt, da Niemand wusste, wie lange Hilfeleistungen über die Grenze hinweg möglich sein würden. Bereits nach 6 Tagen fuhr der erste Transport an die slowakisch-ukrainsche Grenze bei Ushgorod und übergab die gespendeten Sachgüter, vor allem Windeln, Babynahrung, Hygienemittel, aber auch Lebensmittel, Waschpulver und dergleichen. Schnell waren die 750 kg Zuladegewicht erreicht! Es stellte sich jedoch heraus, dass sich der Weg über die Karpaten wegen des noch andauernden Winters als sehr beschwerlich und langwierig erwies.

Der 2. Transport ging dann nur eine Woche später an die polnisch-ukrainsche Grenze bei Korczowa. Mathias Hof, Inhaber der Fa. Tonwerk aus Söchtenau stellte einen großen Sattelschlepper zur Verfügung inklusive Fahrer Matthias Haarpaintner. Voll gefüllt mit nun schon gezielt gesammelten Dingen machte sich der LKW zusammen mit einem Begleitfahrzeug auf den Weg zur Grenze. Eine regelrechte Lawine an Hilfsgütern aber auch an Geldspenden löste der Aufruf des Priener Bürgermeisters Andreas Friedrich, selbst Miglied im Helferkreis, an die Feuerwehren in der Umgebung sowie an alle  Bürger aus. In Großaktionen wurden die Spenden sortiert, verpackt, auf Paletten verladen und in zwei großen Hallen der Priener Feuerwehr gelagert.

Über eine eigens eingerichtete Fahrerliste konnten Fahrer bzw. Fahrzeuge nachgefragt werden.

Traudi Steiner vom Helferkreis kümmerte sich um die Zollformalitäten und zusammen mit ihrem Mann Jakob sowie den Mitarbeitern der FFW Prien konnte die Beladung der Fahrzeuge ordnungsgemäß über die Bühne gehen. Wöchentlich gingen nun Transporte an die Grenze. Ob die Feuerwehr Prien mit drei Fahrzeugen oder wieder der LKW der Fa. Tonwerk sowie die Begleitfahrzeuge mit all ihren Fahrern – alles funktionierte einwandfrei und alle machten sich mit Eifer, aber auch mit großer Verantwortung ans Werk.  Denn alle wussten: wir fahren in ein Kriegsgebiet, zwar nicht sehr weit, aber über die Grenze mussten alle, da die ukrainischen Männer im Alter von 18 bis 60 Jahre das Land nicht verlassen durften. Inzwischen konnten 9 Lieferungen an der Grenze übergeben werden.

Für die Bereitstellung eines größeren Fahrzeugs für weitere Hilfstransporte wäre dem Verein sehr geholfen.

Denn eines ist klar: es wird noch viel Zeit vergehen, bis vielleicht irgenwann wieder so etwas wie Normalität in der Ukraine einkehren wird. Und so lange werden sie auf Hilfe angewiesen sein.Ein ganz besonderes Geschenk erhielt der Helferkreis durch die Fa. TechDivision aus Kolbermoor. Der gebürtige Achenmühler Mitinhaber der Firma, Stefan Willkommer überraschte die Vorsitzende des Vereins mit der Zusage, in kurzer Zeit eine eigene Internetseite für den Helferkreis zu erstellen. Nach nur zwei Tagen konnte die Seite aufgerufen werden unter www.helferkreis-ternopil.de , so dass zuerst einmal die Kontaktdaten online waren, aber auch über ein Portal Geld direkt gespendet werden konnte.

In der Zwischenzeit konnte durch täglichen telefonischen Kontakt der sich ständig ändernde Bedarf abgefragt werden. So müssen zur Zeit mehr als 250 000 geflüchtete Menschen, vorwiegend Frauen mit kleineren Kindern, aber auch viele alte und kranke Menschen in der Stadt und in der Region Ternopil versorgt werden. In 4 Zentrallagern werden die Waren entsprechend gelagert und nach Bedarf ausgegeben. Wolldecken, Isomatten, Schlafsäcke, Nahrungsmittel aller Art, aber auch Milch und Trinkwasser mussten beschafft werden. In die Kriegsgebiete wurden Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Konserven, Müsliriegel und auch Kerzen und Teelichter gebracht (Mit einem Teelicht kann man auch eine Dose wärmen).

Mit der Zeit lernt man, die Dinge anders zu sehen als wir das so gewohnt sind!

Pfarrer Firman leitet zusammen mit vielen seiner Helfer die gesamte Aktion. Zu den vielen zu versorgenden Menschen kommt nun die Arbeit auf seiner 1.200 ha großen Landwirtschaft. Er baut Sonnenblumen, Weizen, Buchweizen, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln etc. auf seinen Flächen an. Das Problem war die Beschaffung des Diesel-Kraftstoffes. Laut seiner Mitteilung musste er an den Tankstellen 2 Stunden warten, um dann 20 l Diesel zu bekommen. Auf die Nachfrage, ob es denn nicht möglich wäre, im Großen den Kraftstoff zu beziehen meinte er nur, dass dies möglich sei, jedoch der Preis viel höher wäre als an der Zapfsäule. Da aber dieser teure Dieselkraftstoff mit einem Preis von ca. 1.20 Euro umgerechnet für deutsche Verhältnisse immer noch günstig ist, bekam Pfarrer Firman vom Helferkreis die Zusage, ihm die benötigte Kraftstoffmenge zu finanzieren. Das Wichtigste wäre jetzt die Bestellung der Äcker, um im Sommer bzw. Herbst eine Ernte einfahren zu können. Ein weiteres  Problem ist die Wasserabfüllung in seiner Anlage in Zarvanysja. Konnte er bisher die 1,5 l Wasserflaschen an die Pilger zu einem geringen Preis verkaufen, so fällt ihm jetzt diese Einnahmequelle weg. Er müsste aber dirngend produzieren, da er an über 60 Kirchen in der Diözese Trinkwasser liefert, um es den Menschen zu geben, die bei Alarm in den Kellern dieser Kirchen Schutz finden. Auch hier konnte der Helferkreis ihm die Kostenübernahme zum Kauf dieser PET-Rohlinge zusichern. Es muss nämlich jetzt in der Ukraine alles bar und in Vorkasse gekauft werden.

Bei den „Informationen aus erster Hand“ im Chiemseesaal in Prien konnte Pfarrer Firman am 01. April mit bedrückenden und beeindruckenden Bildern und Informationen den Besuchern das Leben in der Ukraine wie es zur Zeit herrscht nahebringen.

Sein neuestes Projekt ist die Renovierung eines großen Gebäudes, das er nun in kürzester Zeit für weiteren 70 Personen aus Mariupol und Charkiv fertigstellen möchte. Laut Pfarrer Firman ist es aber so, dass das Leben und Arbeiten im Westen der Ukraine sowie in der Zentralukraine ganz normal weitergeht, d.h. die Leute arbeiten und die Firmen produzieren. Daher ist es vollkommen richtig, dass z.B. die Möbel und alle Einrichtungsgegenstände für dieses Haus auch in der Ukraine angeschafft werden. Es macht Sinn, dafür die finanziellen Mittel zu geben  und dadurch die Wirtschaft im Land zu stärken.

Helferkreis für die Diözese Ternopil:  Sparkasse Rosenheim, IBAN: DE 44 7115 0000 0000 0535 38  –  Spendenquittungen werden bei Angabe der genauen Anschrift im Überweisungsfeld gerne zugesandt.

Bericht: Kathi Schmid – Foto: Helferkreis für die Diözese Ternopil

Fotos zeigen:  1. Versorgung der Flüchtlinge in Ternopil  – 2. Warten vor der Grenze für Helfer aus Prien  – 3. Renovierung eines Gebäudes, das Platz für Flüchtlinge bieten soll – 4. Fruchtbarer Ackerboden in der Region Ternopil.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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