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150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Prien a. Chiemsee

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Was wäre, wenn es brennt und keiner geht hin?“ – diese Frage könnte zwar schwerwiegende Folgen für Betroffene haben, hat sich aber in den bisher 150 Jahren des Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr in der Marktgemeinde Prien a. Chiemsee nie gestellt. Deshalb und weil die Feuerwehr Prien auch sonst gute Gründe hat, sich mit Freude und Stolz einer großen Öffentlichkeit zu zeigen, soll das Jubiläum im Rahmen der Priener Festwochen gefeiert werden. Die Feierlichkeiten werden vom Donnerstag, 23. Mai bis Montag, 3. Juni im Festzelt an der Bernauer Straße gemeinsam mit der Blaskapelle Prien durchgeführt, die Musikanten können dabei auf ihren 190. Geburtstag zurückblicken.

„Wenn die Feuerwehr feiert, dann gehen wir natürlich hin!“ – dieses Motto herrscht seit einiger Zeit in der Priener Bürgerschaft, bei benachbarten Feuerwehren und darüber hinaus. Schließlich wird der 150. Geburtstag nicht alle Tage gefeiert. Und ein überaus anspruchsvolles und unterhaltsames Programm gibt es zudem, das Feuerwehr, Blaskapelle und viele Unterstützer vorbereitet haben. Ehe es aber am 23. Mai mit dem Bieranstich losgeht, lohnt sich ein Blick in die von den Feuerwehrkameraden Ernst Reiter, Hans Herzinger und Andreas Posavec     zusammengestellte Festschrift, die mit einem Umfang von gut 175 Seiten und zahlreichen Bildern schon einen Buch-Charakter mit hohem Nachschlagewert hat.

Vom Gründungs-Gedanken bis heute

In der Freiwilligen Feuerwehr Prien haben sich seit ihrer Gründung am 15.November 1869 bis heute stets Bürger zusammengeschlossen, für die es selbstverständlich ist, ihren Mitmenschen bei Gefahren beizustehen. Die Feuerwehrmänner setzen sich für ihren Nächsten freiwillig ein und nehmen Gefahren für Leib und Gesundheit in Kauf, um andere aus Gefahren zu retten. Dem Nächsten – ohne Rücksicht auf die eigene Person – in Notsituationen zu helfen, Engagement und Liebe zur Sache, Begeisterung für die Technik sowie Gemeinschaftsgeist – der nicht nur beim Einsatz zum Ausdruck kommt – prägen heute den Feuerwehrmann. Ohne diese Antriebsfeder gäbe es sicher keine freiwilligen Feuerwehren. Wie der informativen Festschrift zu entnehmen ist, gilt der 15. November 1869 als Gründungsdatum für die Freiwillige Feuerwehr Prien, die entsprechenden Originalprotokolle vom 2. November bis 11. Dezember 1869 befinden sich im Archiv der Feuerwehr Prien. Unter anderem heißt es da in den Aufzeichnungen von Josef Mühlberger: „Auf heute (2. November 1869) waren durch Circular die Bürger und Hausbesitzer von Prien nebst Gewerbsgehilfen und Bürgerssöhnen in das Gasthaus zum Chiemsee vorgeladen worden, um an einer Besprechung über die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr in Prien Theil zu nehmen. Die Geladenen hatten sich sehr zahlreich eingefunden und zeigten, insbesondere die jungen Leute, einen sehr guten Willen“. Während die Bürgerssöhne und Gewerbsgehilfen – so weiter im Protokoll – vorwiegend die Löschdienste erfüllen sollten, sollen dagegen die Bürger und Hausbesitzer je nach Umständen als Retter und Wachen der geretteten Gegenstände dienen und Geldbeträge zur Anschaffung von nötigen Requisiten bereitstellen. Darüber hinaus wurde ein Arbeiterunterstützungsverein verlangt.  Für den Fall, dass ein Arbeiter beim Löschen verunglückt, sollte von Seiten der Feuerwehr die Hälfte der Heilungs- und Unterstützungskosten übernommen werden. Im Gründungsprotokoll vom 15. November wurde dann die erste gewählte Vorstandschaft genannt und zwar mit Kaufmann Georg Mühlritter als Vorstand, mit Maurermeister Lorenz Hartinger als Hauptmann, mit Kaufmann Nikolaus Wallner als Adjutant und Schriftführer und mit Melber (Mehlverkäufer) Josef Mühlberger als Caßiere.

Bis zum heurigen Jubiläumsjahr und heutigen Tag haben sich Anforderungen und Einsatzerfordernisse für die Feuerwehr Prien weiterentwickelt. Die Marktgemeinde Prien mit einer Fläche von gut 20 Quadratkilometern und einem Stand von über 10.000 Einwohnern hat mehrfach überörtliche Funktionen. Als Hauptort am westlichen Chiemsee-Ufer ist Prien mit seinen zehn Schulen ein Schulstandort sowie mit dem Kreiskrankenhaus und mit den Kurkliniken ein wichtiger Gesundheitsstandort. Um den Brandschutz zu gewährleisten gibt es in der Gemeinde Prien am Chiemsee zwei freiwillige Feuerwehren:  die Freiwillige Feuerwehr Atzing unterstützt dabei die Freiwillige Feuerwehr Prien (Stützpunktfeuerwehr) mit der Löschgruppe Herrenchiemsee. Aktuell hat die Feuerwehr Prien 216 aktive und passive Mitglieder, rund 100 davon rücken als Aktive im Ernstfall aus. Die „Jung-Aktiven“ werden aufgrund der vielen Erfahrungen von den „Helden von gestern“, das sind die aus der Einsatzmannschaft aus Altersgründen ausgeschiedenen Kameraden, insbesondere bei Vereinsveranstaltungen unterstützt. 20 Jugendliche bringen sich in der Jugendgruppe ein und zeigen dabei, dass Ihnen neben der schulischen Ausbildung und neben den vielen in Prien gebotenen Freizeitbeschäftigungen das Feuerwehr- und Rettungswesen im Verbund mit geselliger Gemeinschaft wichtig sind.

Bilder und Repros: Feuerwehr Prien

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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