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150 Jahre Feuerwehr Prien – Bericht und Bilder Teil I

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In vier Zügen mit Blaskapellen aus Prien, Wildenwart, Söchtenau und Bernau voran bewegten sich rund 1.700 Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen aus den Landkreisen Traunstein und Rosenheim sowie aus dem benachbarten Österreich durch Prien, um Schönheit, Stärke und Selbstbewußtsein des Feuerwehrwesens zu zeigen und um der 150 Jahre alten Priener Feuerwehr die Ehre zu geben.

Das Stelldichein der Feuerwehren aus rund 80 Vereinen begann mit einem Kirchenzug vom Festplatz an der Bernauer Straße in den Trautersdorfer Obstgarten. In guter Priener ökumenischer Verbundenheit begann der Fest-Gottesdienst am Feldaltar, mit dem seit dem Priener Glaubensfest vorhandenem großen, dreiwinkligem Kreuz sowie mit der Festmusikkapelle Prien unter der Leitung von Stefan Fußeder. Pfarrer Klaus Hofstetter hielt dabei anschaulich den Gläubigen einen Spiegel vor, nicht um ihnen die Leviten zu lesen, sondern um Ihnen klar zu machen, dass Jeder ein Bild Gottes ist. Dabei erinnerte er daran, dass das auf Herrenchiemsee ausgearbeitete Grundgesetz vor 70 Jahren in Kraft trat und mit dem Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ beginnt. „Geben ist seliger denn Nehmen“ – mit diesen Worten begann Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth seine Betrachtungen und ergänzte dies mit dem Satz: „Selbstlosigkeit ist gut, aber man sollte sich auch um sich selbst kümmern, damit man nicht verkümmere“. Und Bezirksapostel Andreas Sargant fügte hinzu: „Liebe befähigt zu Außergewöhnlichem, Gott ist Liebe in reinster Form und mit Gott kann man auch durchs Feuer gehen“. Im Rahmen des Festgottesdienstes erhielten  die aus dem Jahr 1871 stammende und wieder restaurierte Fahne sowie das neue Hilfeleistungs-Löschfahrzeug HLF 20 ihren kirchlichen Segen. Die Kollekte kommt jeweils zur Hälfte dem Ökumenischen Sozialdienst in Prien und einer Partner-Aktion im afrikanischen Tansania zugute.

Bodo Sagebiel als Vorstand der Priener Feuerwehr mit 230 Mitgliedern, 102Aktiven, 20 Jugendlichen und mit bis zu 300 Einsätzen im Jahr dankte den vielen Kräften für das Zustandekommen des 150-jährigen Jubiläums und der Feuerwehr Atzing für ihren Dienst bei den Straßenabsperrungen. Zugleich erinnerte er daran, dass Feuerwehrdienst ein stetes Anpassen an neue Techniken und Situationen verlangt. „Unsere gut aufgestellte Jugendfeuerwehr ist Garant dafür, dass unser Verein in guten Händen liegt und eine gute Zukunft hat“. Abschließend appellierte Sagebiel an die gesamte Bevölkerung mit Blick auf Gewalt gegen Rettungskräfte, dazu sagte er: „Macht es uns nicht noch schwieriger, zu helfen“. Dank empfing die gastgebende Feuerwehr von verschiedenen Rednern. Stellvertretende Landrätin Marianne Loferer würdigte das ständige Üben der Feuerwehren, damit sie an 365 Tagen und jeden Tag 24 Stunden zur Stelle sind, um zu helfen. Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner überbrachte die Grüße der Bayerischen Staatsregierung und er bezeichnete den in Prien sicht- und spürbaren Zusammenhalt als vorbildliches Beispiel für die bayerische Gesellschaft. „Ihr tut in der Marktgemeinde Prien, die zuweilen städtischen Charakter und doch auch Dorfleben hat, mehr als Eure Pflicht“. Kreisbrandrat Richard Schrank verglich den Feuerwehrmann als einen von Gott geschaffenen Prototypen Menschen, der dafür sorgt, dass die Bevölkerung in Ruhe leben und den Sonntag feiern kann. Erster Bürgermeister und Schirmherr Jürgen Seifert erinnerte daran, dass Prien reich an Landschafts- und Kulturgütern ist. „Je größer die Kostbarkeiten sind, je anstrengender wird die Aufgabe, diese zu bewahren. Damit danke ich der Kreisbrandinspektion Rosenheim und der Feuerwehr Prien ganz besonders“, so der  Bürgermeister, der zugleich Oberster Priener  Feuerwehrmann ist.

Als gutes Beispiel stimmiger und zeitgemäßer Einsatzbereitschaft wurde das neue Fahrzeug HLF 20 bezeichnet. Heinrich Hallhuber von der Firma Lentner, die nach den Vorgaben der Feuerwehr und der Gemeinde den Aufbau des MAN-Fahrzeuges erstellte, übergab symbolisch den Schlüssel an den bisherigen Priener Kommandanten und nunmehrigen Rosenheimer Kreisbrandmeister Stefan Pfliegl. Dieser dankte besonders Projektleiter Martin Pankert von der Firma Lentner (zugleich Vorstand der Feuerwehr Kolbermoor) dafür, dass die Anschaffung und Auslieferung des Fahrzeugs mit 2000-Liter-Tank, mit 290 PS und mit Platz für neun Mann so reibungsfrei ging. Die Gesamtkosten des neuen Fahrzeugs beliefen sich auf 415.000 Euro.

Wie eine große Familie zeigte sich das Bild mit den vielen Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen im Festzelt, im Trautersdorfer Obstgarten und beim festlichen Umzug durch Prien. Mit dabei war auch die Familie Dreikorn, die bereits seit drei Generationen Feuerwehrdienst leistet. Vater Günther Dreikorn kam bereits zu Kriegszeiten in Heidelberg als Neunjähriger zum Dienst in der Feuerwehr, Sohn Johannes Dreikorn ist seit 1992 bei der Priener Wehr und dabei Hauptfeuerwehrmann und sein Sohn Elias kam als 16-Jähriger zur Feuerwehr Prien und ist dort dabei unter anderem Atemschutzträger. „Bei der Feuerwehr zu sein, zu üben, zu helfen und kameradschaftlich zu feiern ist für uns selbstverständlich“ – so die drei Dreikorn-Männer übereinstimmend.

Prächtig anzusehen waren dann für viele Priener und ihre Gäste beim festlichen Umzug nicht nur die vier Blaskapellen, die Fahnenabordnungen der Ortsvereine und der Feuerwehren und der Priener Trachtenverein, sondern auch die Kutschen mit den Ehrengästen sowie  einige historische Gerätschaften.Einen besonderen Applaus verdienten sich die Holz- und Hochräder des Priener Radfahrvereins als eine eigene Gruppe.   Zu ihnen gehörte die alte aus dem Priener Heimatmuseum extra zum Festzug herausgeholte Feuerwehrspritze und das erste Tanklöschfahrzeug der Priener Wehr, das TLF 8.   Alte und besondere Fahrzeuge, Pumpen und Spritzen, unter anderem von der Herreninsel sowie von den Feuerwehren Atzing, Wildenwart, Umratshausen und Piding wurden zum Teil von Pferden und von Bulldogs gezogen, sie ergänzten das abwechslungsreiche und farbenfrohe  Festzuggeschehen auf der erst vor kurzem erneuerten Bernauer Straße. Bei idealem Wetter, das für jeden Teilnehmer und Zuschauer trockene Schattenplätze bot, klang der Festtag mit einem gemütlichen Beisammensein und mit gemeinsamen Durst-Löschen im Festzelt und in der dortigen Bar aus.

Foto/s/: Hötzelsperger – Eindrücke  vom 150-jährigen Feuerwehrjubiläum in Prien mit Gottesdienst, Fahrzeugweihe und Festzug.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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