Kultur

Porträt: Schützenverein von Wildenwart

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„In der bayerischen Tradition und Geschichte haben die Schützen einen ganz besonderen Platz“, so Herzogin Elizabeth in Bayern bei ihrer Ansprache zum 125-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart. „Bestrebt, unser Bayern vor „mutwilligem einzug und beschedigungen““ zu schützen, gründeten sich schon früh die ersten bewaffneten Bauern- und Bürgerwehren, aus denen die heutigen Schützenvereine und auch die Gebirgsschützen entstanden. Dass Bayern, insbesondere Oberbayern so reich an Brauchtum ist, haben wir auch den Schützen zu verdanken. Die tiefe Verbundenheit der Schützen mit unserem Bayern, unserer Geschichte und unserer Patrona Bavariae wird in schönster Tradition für alle sichtbar mit jeder Schiessscheibe, die wir unseren Wirtshausstuben sehen können“. 28 Fahnen der Ortsvereine und der benachbarten Schützenvereine aus dem Schützengau Chiemgau Prien standen rund um den Feldaltar am Vogeltenn nahe Wildenwart um den Festgottesdienst gemeinsam mit Pfarrer Klaus Hofstetter zu feiern, zogen danach im Festzug durch den Ort und trafen sich schließlich zum geselligen Teil im Festzelt.

„Zum geselligen Schiessen“ trafen sich im Winter 1891 erstmals elf Männer aus Wildenwart in der Schlosswirtschaft. In knapp 130 Jahren ist aus den elf Gründungsmitgliedern von 1891 ein starker Verein von rund 150 Schützen entstanden. Während die elf Gründungsmitglieder 1891 ausschließlich Männer waren, ist der Frauenanteil im Verein heute erfreulich hoch.100 Mitglieder, Frauen und Männer, beteiligen sich aktiv an den Schießvorhaben, darunter auch ein Dutzend Schüler und Jugendliche. Andreas Freund junior führt „Die Elfer“ seit 2003 als Erster Schützenmeister. Die SG Wildenwart hat – im Gegensatz zu den Feuerwehren und Trachtenvereinen von Atzing und Wildenwart – wie der Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart Mitglieder in allen Ortsteilen der ehemaligen Gemeinde Wildenwart zwischen Hendenham und Siggenham.

Seit 129 Jahren besteht die Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart, geschossen wird aber schon viel länger. Heimatforscher Hans Hoesch wies nach, dass die Wurzeln des Chiemgauer Schützenwesens bis ins hohe Mittelalter zurückreichen. In der unmittelbaren Nachbarschaft werden in einer Chronik von 1322 erstmals die Aschauer Schützen erwähnt, 1641 wurden sie Gebirgsschützen genannt, in der Herrschaft Wildenwart verlief die Entwicklung ähnlich. Wann in Wildenwart zum ersten Mal geschossen wurde, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Es existiert ein Kupferstich von Michael Wening, der etwa um das Jahr 1700 entstanden ist. Darauf ist ein Schiessstand am Vogeltenn eingezeichnet. Vermutlich gehörte er zum Schloss und wurde vom Freiherrn von Schurff, dem damaligen Wildenwarter Schlossherrn gebaut. Aus dieser Zeit liegen jedoch keine Unterlagen über das Wildenwarter Schützenwesen, über Gebirgsschützen oder das Aufgebot der Wildenwarter Herrschaft vor. „Die Elfer“ entstanden 1891 als ein loser Zusammenschluss von elf Männern, die Freude an der Geselligkeit hatten und ein paar der langen Winterabende beim Vortelschiessen in der Gastwirtschaft verbrachten. Das erste Schiessen war am Donnerstag, 22. Januar 1891, so sagt es die reich bebilderte Vereinschronik aus. Während der beiden Weltkriege kamen das Scheibenschiessen und das Vereinsleben völlig zum Erliegen, nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es lange, bis sich die Schützen wieder zusammenfanden. 1956 wurde die Talerkette für den Schützenkönig angeschafft, 1977 wurde mit viel Eigenleistung der erste Schiessstand auf dem Dachboden der Schlosswirtschaft ausgebaut. Der Verein schloss sich dem Schützengau Prien-Chiemgau an und nahm seither an allen Gauveranstaltungen teil. Mit der Vorstandschaft, der Fahnenabordnung oder dem ganzen Verein sind die Wildenwarter bei allen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen im Gau, im Ort oder in der Nachbarschaft beteiligt. Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum weihte Pfarrer Josef Preis 1991 die erste Fahne in der Geschichte des Vereins; die Fahnenmutter war Martina Gelder, Angelika Stocker die Fahnenbraut, Pate stand der Nachbarsverein „Chiemgauadler“ Umrathshausen. Schon ein Jahr später wurden „Die Elfer“ gebeten, den Göd bei der Fahnenweihe der „Thomasschützen“ aus Frasdorf zu machen, einer Bitte, der der Verein gerne nachkam. 2007 wurde mit großem Aufwand der alte Kuhstall in der Schlosswirtschaft zum Schiessstand ausgebaut. Herzog Max in Bayern gab den ersten Schuss ab. Der alte Stall aus der Mitte des 19.Jahrhunderts wurde im Zuge des Umbaus der Schlosswirtschaft aufwendig renoviert. Der weiß gestrichene Raum mit seinem böhmischen Gewölbe und dem roten Terrakotta-Fliesenboden ist ein Schießstand, wie er weit und breit nicht mehr zu finden ist.

Geschossen wird bei den Wildenwartern nur während der Wintermonate. „Mit dem jährlichen Maschkera Damenschiessen, mit dem mehrfach durchgeführten Dorfkönigschiessen und den Vergleichsschiessen mit den beiden anderen Schützenvereinen von Frasdorf „Thomasschützen“ Frasdorf und „Chiemgauadler“ Umrathshausen wirkt der Verein über seine Mitglieder und Grenzen hinaus“, so Schützenmeister Andreas Freund. Der Schießbetrieb beginnt mit dem ersten Übungsschießen im Oktober und endet im April. Die Schützen treffen sich jeden Freitag ab 19 Uhr in der Schloßwirtschaft. Neuanfänger, vor allem Jugendliche, sind zu den allwöchentlichen Schießabenden stets willkommen.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart

Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart mit der Schirmherrin Herzogin Elizabeth in Bayern, Herzog Max in Bayern, Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller, Bürgermeister Jürgen Seifert und Gauschützenmeister Bernhard Brehmer

Die „Elfer“ beim Festzug zum 125-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart

2007 wurde mit großem Aufwand der alte Kuhstall in der Schlosswirtschaft zum Schiessstand ausgebaut. Der alte Stall aus der Mitte des 19.Jahrhunderts wurde im Zuge des Umbaus der Schlosswirtschaft aufwendig renoviert. Der weiß gestrichene Raum mit seinem böhmischen Gewölbe und dem roten Terrakotta-Fliesenboden ist ein Schießstand, wie er weit und breit nicht mehr zu finden ist.

Eröffnung des Schiessstandes in der Wildenwarter Schlosswirtschaft Herzog Max in Bayern gab den ersten Schuss ab.

Der Protektor des Schützengaus Prien-Chiemgau Herzog Max in Bayern im Gespräch mit Schützenmeister Andreas Freund junior (Mitte) und Ehrenmitglied Andreas Freund senior.

Zum zweiten Mal gewannen „Die Elfer“ das traditionelle Vergleichsschiessen der drei Frasdorfer Schützenvereine. Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller stiftete den Schützen der Gemeinde im Jahr 2009 als Preis eine handgemalte Schützenscheibe mit den Wappen aller drei Vereine. Sie muss insgesamt zehn Mal gewonnen werden, bis sie endgültig in den Besitz eines Vereins übergeht. Die beiden Schützenmeister von Frasdorf und Umrathshausen Rupert Marinus Wörndl (rechts) und Sepp Staudacher (links) übergaben die Scheibe an den Wildenwarter Schützenmeister Andreas Freund junior.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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