Gastronomie & Wirtschaft

Zwei neue Chiemgauer Bergsteiger-Dörfer

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Sachrang ist nicht nur ein Ort; Sachrang ist unser Leben, unsere Heimat, unser Zuhause, unser Dorf in der Vergangenheit, im Jetzt und in der Zukunft“, so Bürgermeister Peter Solnar aus Aschau beim Festakt auf der Priener Hütte im Naturschutzgebiet Geigelstein zur Ernennung von Sachrang und Schleching zum Bergsteigerdorf. „Äußerlich sind beide Gemeinden Sachrang und Schleching vollkommen unterschiedlich“, ergänzte sein Schlechinger Kollege Sepp Loferer, „aber vielleicht passen wir gerade deshalb so gut zusammen“. Bei den monatelangen Vorbereitungen der Bewerbung um das Gütesiegel haben sich immer wieder neue Gemeinsamkeiten ergeben und diese Gemeinsamkeiten gelte es weiter auszubauen, das Trennende könne dann über Kurz oder Lang endgültig abgelegt werden“. „Weil wir so sind, wie wir sind erhalten wir die Auszeichnung des DAV, wir müssen uns dazu nicht verbiegen und auch nichts anderes aufgesetztes machen“, so die beiden Bürgermeister Peter Solnar aus Aschau und Sepp Loferer aus Schleching, „weil ma so san, wia ma san, samma jetzt Bergsteigerdörfer“. Oberhalb der 1000 Meter Höhengrenze war dieser Spruch für alle verständlich.

Feierlich unterzeichneten die beiden Bürgermeister in Anwesenheit der beiden Ministerinnen Ilse Aigner und Ulrike Scharf die Deklaration des Deutschen Alpenvereins (DAV). Damit sind die beiden Dörfer nach Ramsau das zweite und dritte Bergsteigerdorf in Deutschland. Kreuth strebt den Titel als nächste Gemeinde an, der Bürgermeister war bereits da, um sich ein Bild von den künftigen Anforderungen an sein Dorf zu machen, der zweite Bürgermeister von Ramsau Rudi Fendt klärte seine beiden neuen Kollegen über ihre künftigen Aufgaben auf. „Wir haben die gleichen Interessen in der Wirtschaft und im Tourismus“, so Sepp Loferer, „wir müssen unsere Projekte bündeln und Gleichgeartete miteinander durchführen, um eine Nachhaltigkeit erzielen zu können“. Mit der Einrichtung des Ökomodells Achental in Schleching 1996 und der Ausweitung auf das ganze Achental sowie des Bergbauernmodells in Sachrang mit seinen vielen Unterprojekten, hätten beide Dörfer bereits wichtige Vorleistungen für das Zertifikat des Bergsteigerdorfes erbracht und die Kriterien damit erfüllt. „Wir erhalten diese Auszeichnung, weil wir authentisch sind“, so Peter Solnar, „Männer und Frauen im Achental und im Priental stehen gleichermaßen hinter diesem Bemühen, es ist nichts Aufgesetztes, sondern entspricht unserem bisherigen Leben“.

„Sachrang und Schleching sind ab sofort Bergsteigerdörfer und gehören damit zum Adel der bayerischen Gebirgsdörfer“, so Hanspeter Mair, der Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung des Deutschen Alpenvereins (DAV) beim Festakt auf der Priener Hütte im Naturschutzgebiet Geigelstein. Er führte als selbsternannter Hochzeitslader durch den Festakt. Es sei für ein Unterkunftshaus des DAV keineswegs selbstverständlich, dass an einem Tag zwei leibhaftige Ministerinnen, wie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Umweltministerin Ulrike Scharf, ein halbes Dutzend Landtagsabgeordnete und über ein Dutzend Bürgermeister aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und aus dem benachbarten Tirol, sowie die Mandatsträger der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Alpenvereins und der Alpenvereins-Gruppierungen in Österreich und Slowenien anwesend seien. Der heutige Festakt erfordere jedoch geradezu die Anwesenheit hoher politischer Prominenz, werde doch heute ein wesentlicher Bestandteil der abstrakten Alpenstrategie in die konkrete Praxis umgesetzt. „Bergsteigerdörfer sind etwas zum Anfassen, das muss man den Menschen nicht umständlich erklären“.

Der Generalsekretär der Alpenkonvention Markus Reiterer aus Innsbruck wies darauf hin, dass die „beiden jüngsten Mitglieder im erlauchten Kreis der Bergsteigerdörfer Schleching und Sachrang“ einmalig in der noch jungen Geschichte der Bergsteigerdörfer sind. Die beiden Orte hätten sich für eine gemeinsame Bewerbung entschieden, obwohl sie in benachbarten Tälern liegen und unterschiedlichen Landkreisen sowie Tourismusverbänden angehören. Schleching und Sachrang setzten den Fokus damit nicht nur auf die eigene touristische Entwicklung, sondern auf die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region. Eine große Gemeinsamkeit spielt bei der Bewerbung übrigens eine große Rolle: Zwischen beiden Gemeinden liegt der Geigelstein. In der Vergangenheit trennte dieser ebenso geschichtsträchtige wie beliebte Wanderberg Schleching und Sachrang. Unter dem Dach der Bergsteigerdörfer bringt er zwei unterschiedliche Täler das Achental und das Obere Priental zusammen. Mit Matsch in Südtirol, Jezersko in Slowenien und Kreuth in Oberbayern kämen bis 2018 weitere drei Dörfer hinzu. Somit besteht das Netzwerk der Bergsteigerdörfer ab 2018 aus insgesamt 26 Orten in vier Ländern.

Umweltministerin Ulrike Scharf freute sich für die beiden Gemeinden und ihre Bürger über ihre Aufnahme in den kleinen feinen Kreis der Bergsteigerdörfer: „Der Kreis der Bergsteigerdörfer ist aufgrund strikter Kriterien überschaubar und exklusiv. Beide Gemeinden haben es sich verdient, dass sie künftig zu diesem exklusiven Kreis gerechnet werden können. Sie werden durch ihre vereinte Überzeugung und Verpflichtung zum Naturschutz für einen wichtigen Impuls zur nachhaltigen Entwicklung im Raum um den Geigelstein und weit darüber hinaus sorgen. Wir müssen weg vom immer höher, immer weiter und immer schneller und wieder hin zu unserer Kultur und unserer Natur“.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte, die Menschen in der Region wüssten, was sie an der Natur haben, aber nur die Landschaft sei ein Geschenk Gottes, alles darüber hinaus habe sich der Mensch hart erarbeiten müssen. Die Arbeit der Bergbauern und die Almwirtschaft seien trotz aller maschinellen Erleichterungen immer noch unvergleichbar hart und arbeitsintensiv gegenüber der Landwirtschaft in der Ebene. Mit der Alpenstrategie versuche man von Seiten der Politik den Menschen langfristig und nachhaltig eine Zukunft in ihrer Heimat zu geben, Tourismus sei ein wichtiger Bestandteil dieser Zukunftsarbeit. Als besondere Morgengabe brachte Ministerin Aigner den beiden frischgebackenen Bergsteigerdörfern jeweils einen Scheck über 30000 Euro für die Durchführung von Marketingmaßnahmen zur Stärkung des naturverträglichen Tourismus im bayerischen Alpenraum.

Beide Gemeinden stellten in Zusammenarbeit mit dem DAV die neu erarbeitete Broschüre zu den beiden Bergsteigerdörfern vor. Sie erhältlich bei den Tourist Infos in Sachrang, Schleching und Aschau, als Herausgeber firmiert der Deutsche Alpenverein. Die reich bebilderte Schrift stellt die beiden Gemeinden vor, gibt Auskunft über die Geschichte im Achental und im Priental und vermittelt Tourentipps für Sommer und Winter mit Wanderwegen, Loipen und Abfahrten. Ausführlich wird der Naturschutz am Geigelstein präsentiert, dazu gibt es eine Übersicht über das Alternativprogramm bei schlechtem Wetter und über die Partnerbetriebe im Bergsteigerdorf. Mit einer Übersicht über Karten und Führer und über das Richtige Verhalten in den Bergen schließt die Broschüre ab.

Fotos und Bericht: Heinrich  Rehberg

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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