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Gnadenhochzeit in Aschau i. Chiemgau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„70 gemeinsame Jahre verbinden, das Fest der Gnadenhochzeit ist sehr selten“, Edmund und Irmi Höss – beide vom Jahrgang 1925 – feierten miteinander die 70. Wiederkehr ihres Hochzeitstages vom 10. Oktober 1949. In der Schlosskapelle von Hohenaschau wurde das Paar damals von Monsignore Dr. Alois Röck getraut. Bürgermeister Peter Solnar war bei seinem Besuch ganz fasziniert davon, dass einem Ehepaar so viele gemeinsame Ehejahre geschenkt werden. Im Namen der Bayerischen Staatsregierung und der Gemeinde Aschau überbrachte er Glückwünsche, Blumen und Geschenke. Pfarrer Paul Janßen gratulierte für die Aschauer Pfarrgemeinde. Das schönste Geschenk aber haben sich Edmund und Irmi Höss selbst gemacht: gemeinsam alt zu werden. Ihre Ehe wurde mit einer Tochter und einer Enkeltochter gesegnet.

Es gab viel zu erzählen im Hause Höss an diesem Nachmittag: „Unser Hund hat mich auf den jungen feschen Zollbeamten aufmerksam gemacht“, erzählt Irmi Höss am Kaffeetisch, „er bellte immer wenn dieser Mann in seiner Uniform in unseren Bäckerladen Schwaiger in Hohenaschau kam oder auch nur am Haus vorbeiging“. So sah sie sich den Zöllner etwas genauer an und beide lernten sich in der Folgezeit so gut kennen, dass die Verbindung nun schon seit 70 Jahren anhält. Auch Edmund war die junge Frau bereits aufgefallen, weil sie an den Sonn- und Feiertagen immer Hüte trug. In Aschau war das zu diesem Zeitpunkt eher selten. Aber vor der Ehe gab es noch ein paar Schwierigkeiten zu überwinden: der Vater des Bräutigams meinte, dass es unklug sei, den Beamtenstatus beim Zoll für ein Leben als Bäcker in Aschau aufzugeben und der Vater der Braut wollte unbedingt einen Konditormeister für seine Tochter. Die Entscheidung fiel schnell und unwiderruflich: Der Bräutigam in spe quittierte für seine Heirat den Staatsdienst und begann mit 25 Jahren eine Ausbildung zum Bäcker. Gemeinsam führten sie zunächst die Bäckerei weiter, später wechselte Edmund Höss zu einem großen Lebensmittelkonzern. Freizeit gab es im Hause Höss nur wenig: Edmund Höss war in allen Aschauer Vereinen aktiv, war in vielen Vorstandschaften vertreten und saß auch lange Jahre im Gemeinderat von Hohenaschau. Seine Liebe galt dem Gesang, er sang 60 Jahre als Bass beim Männerchor Aschau und war mehr als 60 Jahre aktiver Sänger im Kirchenchor Aschau.

„Leider ist es mit der Gesundheit nicht mehr so weit her“, bedauerten es beide. Während Irmi Höss noch im gemeinsamen Haus wohnt, ist ihr Mann ins Prientaler Seniorenheim umgezogen. „Das ist aber für das Miteinander nicht abträglich“ versicherten beide übereinstimmend.

Wie häufig ein solches Ehejubiläum in Bayern vorkommt, konnte das Landesamt für Statistik nicht sagen. Dies werde statistisch nicht erfasst, sagte ein Sprecher.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Edmund und Irmi Höss feierten miteinander die 70. Wiederkehr ihres Hochzeitstages vom 10. Oktober 1949

Hochzeitstag am 10. Oktober 1949 auf Schloss Hohenaschau

Das Jubelpaar mit der Tochter Anna und der Enkelin Sophia

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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