Kirche

100 Jahre Patrona Bavariae – Interview mit Weihbischof Wolfgang Bischof

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am Samstag, 13. Mai feiern die Gläubigen Bayerns und die Trachtler des Bayerischen Trachtenverbandes das Jubiläum „100 Jahre Patrona Bavaria“ in München – Höhepunkte werden von 14 Uhr bis 15 Uhr eine Sternwallfahart zum Marienplatz sowie um 16 Uhr eine Eucharistiefeier mit Marienweihe der Mariensäule sein.

In der Vorbereitung auf dieses Fest hat der Heimat- und Trachtenbote (bestellbar auch als online-Ausgabe auf www.trachtenverband-bayern.de) mit Weihbischof Wolfgang Bischof nachfolgendes Gespräch geführt:
Herr Weihbischof Bischof, dieses Jahr kommen alle sieben bayerischen Bistümer zur Feier „100 Jahre Patrona Bavariae“ nach München. Wieso steht die Gottesmutter Maria in so enger Beziehung mit Bayern?

Weihbischof Bischof: Durch die tiefe theologische Verwurzelung im katholischen Glauben ist diese Beziehung vor allem historisch begründet. Die Bayern waren schon immer sehr katholisch und das drückt sich besonders in der Verehrung der Gottesmutter aus. Die Bezeichnung „Patrona Bavariae“ taucht dann erstmals auf einer Medaille auf, die Kurfürst Maximilian I. zu Ehren der Gottesmutter im Jahre 1610 prägen ließ. Sechs Jahre später hat er dann eine Bronzestatue der Mutter Gottes an der Fassade der Münchner Residenz anbringen lassen, welche sozusagen das Urbild der bekannten Darstellung auf der Säule am Münchner Marienplatz ist. Besonders inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges haben die bayrischen Katholiken bei der Gottesmutter Zuflucht gesucht. Das zeigt zum Beispiel das Gelöbnis des Kurfürsten, ein Werk der Dankbarkeit zu vollbringen,  wenn Landshut und München nicht verwüstet werden. Als die beiden Städte dann tatsächlich verschont blieben, ließ er wie versprochen auf dem Schrannenplatz, der heute Marienplatz heißt, die bekannte Mariensäule errichten. Auch sind seitdem viele Wallfahrtsorte und Kirchen entstanden, wo Menschen ihren Glauben und ihre besondere Verbundenheit mit der Gottesmutter bis heute leben. Dazu gehört beispielsweise Altötting. 2011 haben wir dort dann auch unserer Wallfahrtsreihe „Patrona Bavariae“ begonnen, welche seitdem jedes Jahr in einem anderen bayerischen Bistum stattfand und nun in München seinen feierlichen Abschluss findet.

Die Trachtler sind mit dem Brauchtum im kirchlichen Jahreslauf stark verbunden. Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Brauchtum und Kirche?

Weihbischof Bischof: Brauchtum und Kirche sind in Bayern zweifellos eng miteinander verbunden. Gerade die bayerische Tradition der Marienverehrung ist da ein schönes Beispiel. Denken sie etwa an die „Frauendreißiger“. Dreißig Tage ab Mariä Himmelfahrt feiern die Gläubigen fünf verschiedene Marienfeste, für die es allesamt entsprechende Bräuche gibt. Besonders beliebt sind die Kräuterweihen an Mariä Himmelfahrt, welche für den Gottesdienst gebunden, in der Kirche geweiht und zuhause getrocknet werden. Diese sollen dann besonders heilkräftig sein. Mir persönlich gefallen solche Bräuche, da sie das Kirchenjahr mit seinen Festen mit allen Sinnen erleb- und greifbar werden lassen.

Auch bei uns Trachtlern spielt die Marienverehrung seit Generationen eine große Rolle. So gibt es beispielsweise zahlreiche Darstellungen der Gottesmutter auf Vereinsfahnen oder
-fahnenbändern. Was denken Sie macht das Faszinosum Maria Mutter Gottes generell aus?

Weihbischof Bischof: Es gibt für Maria viele schöne theologische Bilder. Mir persönlich gefällt die Vorstellung gut, dass es sich mit ihr wie mit einem offenen Gefäß verhält. Sie lässt sich ganz auf Gott ein und mit seinem Geist füllen. Ich denke, das kann Menschen faszinieren – und zwar generationenübergreifend. Das Vorbild Marias kann uns auch dazu ermutigen, uns vertrauensvoll auf ein Wort oder Wagnis einzulassen. Wie Maria kennen auch wir Situationen, in denen wir selbst unsicher sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Das sind menschliche Erfahrungen, die Maria auch gemacht hat und die sie uns nahebringt. Indem sie ihren Weg im Vertrauen auf Gott gegangen ist, denke ich, kann sie für uns Christen, aber auch für  für viele andere Menschen ein großes Vorbild sein. Ihre Botschaft lautet: Wer sich auf den Weg mit Gott einlässt, der wird zum Heil gelangen. Ich denke, diese Offenheit für Gott, die Maria konsequent vorgelebt hat, stellt für die Gestaltung unseres eigenen Lebens eine ganz besondere Inspiration dar.

Denken Sie, dass das auch für junge Menschen heutzutage gelten kann?

Weihbischof Bischof: Absolut. Mit der Wallfahrtsreihe zu  „100 Jahre Patrona Bavariae“ stießen wir bei der Jugend von Anfang an auf große Begeisterung. Diese manifestiert sich in diesem Jahr in einem vielfältigen, zweitägigen Jugendprogramm in München, in dessen Rahmen beispielsweise eine Maiandacht in der Jugendkirche oder künstlerische Jugendprojekte stattfinden. Darüber hinaus wird es auch ein großes Pfadfinderlager, ein Kinderprogramm und Jugendkultur „on stage“ auf dem Münchener Odeonsplatz geben. Besonders schön finde ich auch den Titel des Programms „Maria #VolldieGnade“. Das zeigt meiner Meinung nach recht gut, dass Jugendliche immer wieder einen neuen Weg in der Auseinandersetzung mit der Mutter Gottes finden. Dafür brauchen wir immer wieder zeitgemäße Formen der Vermittlung und Umsetzung.

Die Mariensäule in München  ist ein Ort, an dem man der Mutter Gottes mitten in der Stadt begegnen kann. Auf welche Begegnungen können wir uns bei „100 Jahre Patrona Bavariae“ noch freuen?

Weihbischof Bischof: Für Begegnungen mit Maria und den Menschen bietet das zweitägige Fest gleich eine ganz Reihe toller Möglichkeiten – sei es die Jugendnacht am Freitagabend oder das vielfältige Tagesprogramm am Samstag mitten in der Münchner Innenstadt. Dazu werden mehrere tausend Jugendliche und Pilger sowie zahlreiche Vereine und Verbände aus allen bayerischen Bistümern erwartet. Den Höhepunkt bildet dann die Sternwallfahrt der Bistümer zum Marienplatz mit der anschließenden Eucharistiefeier, bei der unter dem Vorsitz von Reinhard Kardinal Marx alle bayerischen Bischöfe teilnehmen werden. Die Liturgie schließt dann mit der Marienweihe an der Mariensäule. Wir freuen uns auch, dass sich mit den vielen Pilgern Ehrengäste wie z. B. der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer angemeldet haben. Den Abschluss des Jubiläums werden wir dann in der Frauenkirche mit einem marianischen Oratorium feiern. Die Feier „100 Jahre Patrona Bavariae“ in München wird sicher ein ganz besonderes Erlebnis, zu dem ich alle Menschen herzlich einlade!

Interview: Bayer. Trachtenverband/Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit/Anna Felbermeir

Fotos: Hötzelsperger  –  Mariensäule in München

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist und Leiter der Gäste-Information Samerberg bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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